Als ich gestern die Headline sah, dass Sie in der SPD bleiben dürfen, fragte ich mich, ob Sie denn in der SPD bleiben wollen. Das schreibt sich jetzt schlau, da die Meldung Ihres Austritts raus ist – aber das dachte ich tatsächlich. Ich bin nicht parteipolitisch engagiert und stelle fest, dass ich auch ideologisch immer weniger gebunden bin. Mit Ausnahme der Flachflieger am linken und rechten Rand kann ich bei allen Parteien Gemeinsamkeiten finden. Sie haben wohl nicht mehr Gemeinsamkeiten mit der SPD sehen können. Dabei hat doch gerade die jüngere Vergangenheit gezeigt, welch breites Spektrum sich bei den Sozialdemokraten versammelt. Ich bin gespannt, was Sie als nächstes tun werden, ob Sie Berater oder Lobbyist werden oder vielleicht doch eher Kommentator und Kleingärtner. Ich finde es unmöglich, wie die SPD mit Ihnen umgegangen ist und wie wenig diese sturmerprobte Partei in der Lage zu sein scheint, abweichende Meinungen neurotischer Mitglieder integrieren und aushalten zu können. Das erschreckt mich. Ich finde es aber auch erschreckend, mit welcher Ignoranz Sie in aller Öffentlichkeit auf Ihrer Partei herumtrampeln. Nicht, dass man nicht anderer Meinung zu Frau Ypsilanti sein konnte als sie selbst. Doch die Art und vor allem öffentliche Art, die Sie immer wieder wählen, um abweichende Meinungen vorzutragen, schadet der Partei ungleich mehr als sie Ihnen nützen könnte. Das war und ist verantwortungslos. Wenn die SPD nicht mehr Ihre politische Heimat sein kann, hätten Sie das schon vor Wochen oder Monaten merken können. Sie haben dafür mehr als eine Rüge verdient. Gehen Sie, aber bitte still und leise.
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Seit diesem Wochenende stehen in Mainz Plakatständer mit einem roten Herzen und der Aufschrift “Ich mag mein Mainz!” Sympathisch, nicht? Ich war sofort neugierig und musste sehr lachen, als ich sah, dass Schmierer die Plakate um kommunalpolitisch höchst umstrittene Projekte ergänzt hatten: “… ohne KKW” stand da, gemeint ist der geplante Bau eines Kohlekraftwerks in Mainz, den die SPD befürwortet, die CDU dagegen ablehnt (verrückte Welt, nicht wahr?). Es war nicht schwer, heraus zu finden, wer hinter der Kampagne steckt. Die Google-Recherche führt über eine kleine Google-Anzeige (AdWords) zur Domain “www.ich-mag-mein-mainz.de“, auf der das Herz zu sehen ist. Dafür kein Impressum (Montag, 25.8., 16.53 Uhr), wenn das mal keinen Ärger gibt. Also ab zur Denic, der zentralen Domänenvergabestelle für Deutschland. Thomas Lindner besitzt die Domäne und wohnt in der Klarastr. 15a. Und dort, das ergibt die nächste kinderleichte Recherche, sitzt die SPD in Mainz. Recherchedauer insgesamt: zwei Minuten.
Ärgerlich für die Genossen, dass ihr sympathischer Slogan so verhunzt wurde und nun gar eine CDU-Forderung trägt. Welch ein Rohrkrepierer. Ich rief Herrn Lindner an, der wollte dazu “gar nichts” sagen, sondern verwies auf den Wahlkampfleiter Kai Hofmann. Aha, Wahlkampf also. Lindner kam dann wohl sein eigener Satz ulkig vor, so dass er noch rechtfertigend nachschob: Er habe keinen Maulkorb bekommen, sondern sei im Urlaub gewesen, als das beschlossen wurde. Wie gesagt: Der Slogan ist toll.
Kai Hofmann erzählte mir dann, dass der Slogan den Kommunalwahlkampf in Mainz einläute. Und dann die Enttäuschung: Es war keine Absicht, nur den Slogan mit den schönen Herzen zu plakatieren und damit neugierig zu machen. Es sei ein technischer Fehler gewesen, eigentlich habe darauf noch ein Veranstaltungshinweis gehört, dies werde man nachholen. Nein nein, die Ergänzungen könnten seiner Ansicht nichts damit zu tun haben, dass da Menschen herausbekommen hätten, wer hinter der Ich-mag-Mainz.de-Kampagne steht…