PR-ofession und OB-session vom Erfolgs-Blogger

Pralle Blusen, bunte Federn: Nichts mehr zu lachen

Stern.deGroße Dinge tun sich in Deutschland: Nach den hinlänglich diskutierten Wandlungen von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft mehren sich nun die Zeichen, dass es wieder rückwärts geht – mit verbundenen Augen zwar, aber dennoch. Allerorten werden Filialen, Niederlassungen oder wie die Points of Sale sonst altdeutsch heißen, geschlossen – mit Verweis auf die Segnungen des Internets.
Diese Kolumne wurde vormals bei Stern.de veröffentlicht.

Was heißt das in der Praxis? Nichts mehr zu lachen. Neulich in der Post auf dem Dorf: “Was haben Sie denn für Sondermarken?” – “Irgendwas mit KZ”. Gemeint: eine Gedenkmarke für den Hitlerattentäter Georg Elser, der in Dachau umkam. Wer darüber nicht lachen kann, wird wenigstens die hip-trainierten Schaltermäuse vermissen, durch deren bunte Westen es noch immer mausgrau schimmert und die selbst bei einfachsten Vorgängen wie “Eine Briefmarke zu 55 Cent bitte” ihr ganzes frisches Kundenfreu-Programm abspulen: “Wenn umgezogen, können hier gesamte Formalitäten von bis Nachsendestrom jetzt wie viel keine Ahnung neue Tarife auch keine Ahnung aber wollten Sie nicht versichern selbstverständlich gerne Feierabend der Nächste bitte.”

Filialen werden also geschlossen – und die grauen Mäuse mit bunten Westen aus der Dienstleistungs-Diaspora ersetzt: Durch prall-Blusen-bewehrte Lara Crofts, smarte Robert T-Onlines und ministeriale Gummiadler: Lang lebe der Bot. Genau, liebe Kinder: Die Typen, die in blutigen Dungeons die lahmen Kumpels ersetzen, wenn sie Döner holen, gibt’s auch in Zivil: Sie helfen, interaktive Prozesse sauber durchzuziehen. Sie antworten auf Fragen, helfen in der Not und hauchen der kalten und menschenlosen Technik Wärme ein. Die Programmierer von Smart Bot Technologies behaupten sogar, dass ihren netten Damen Pia, Mia und Eva (Ob blond, ob rot, ich liebe meinen Bot) bei Prozessen wie einer Online-Kontoeröffnung oder Gewerbeanmeldung die Abbrecherquote senken. Das sind jene Kunden, die früher entnervt und wild fluchend aus dem Schalterraum flüchteten. Das soll jetzt vorbei sein – schade.

Überhaupt eignet sich so eine vorgeschaltete Service-Beamtin hervorragend als Puffer: Silizium statt Silikon garantiert Engelsgeduld. Und wie sehr es diese in der Welt der Formulare braucht, muss wohl nicht erläutert werden. Glücklich, wer ab und zu auf Humor stößt: Den hat beispielsweise Findulin, von Beruf IT-Adler und Alter-Ego des Bundeskanzlers auf den Internetseiten von Regierungschef und Regierung. Das blaue Bundesviech besteht beispielsweise darauf, dass seine Federn vom ersten Tag an so blau gewesen seien wie heute…

2 Antworten auf “Pralle Blusen, bunte Federn: Nichts mehr zu lachen”


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