“Wollte nun auch noch was zum aktuellen Milchmarkt loswerden. Ich bin selbst Milchbauer und finde die aktuelle Situation sehr prekär.” Erst war es nur ein Kommentar von Andi zu Müller Milch, doch er gefiel mir so gut, dass ich einen eigenständigen Artikel daraus gemacht habe.
Hallo zusammen,
wollte nun auch noch was zum aktuellen Milchmarkt loswerden. Ich bin selbst Milchbauer und finde die aktuelle Situation sehr prikär. Es ist schon richtig, dass die Getreidepreise, wie Sebastian schon sagte, sich verdoppelten seit letztem Herbst. Leider hat ein Milcherzeuger davon überhaupt nichts, denn selbst wenn er selbst Getreide erzeugt, wird dies zur Verfütterung an die Kühe genutzt, um diese Leistungsgerecht zu füttern. Desweiteren sind die Milchleistungskraftfutter (<- dort wird ja auch Getreide eingesetzt) und Mineralstoffe für die Kühe ebenfalls um das doppelte gestiegen. Diese Kosten belasten die Milcherzeugung zusehens. Es ist kaum möglich, hier große Einsparungen durch Verzicht des Einsatzes vorzunehmen, da sonst die Kühe unter Fruchtbarkeitsstörungen, Milchleistungsabfall, Klauenerkrankungen, etc. sogar “hopps” gehen können. Der gestiegene Kostenaufwand für Futtermittel, Düngermittel, Strom, etc. konnte durch den höheren Milchpreis gerade noch aufgefangen werden.
Zum Thema Müller Milch wurden wir anders informiert. Müller stellte ein kurzfristiges Ultimatum an die Milcherzeugergemeinschaften(MEG). Während aufgrund der hohen Nachfrage nur noch kurzfristige Verträge gemacht wurden, mussten die MEGs ihren Vorgaben “treu” bleiben und sich besser am stetigen Nachfragewachstum zu beteiligen und nicht das ganze Geld bis zu den neuen Verhandlungen den Molkereien zukommen zu lassen. Nach verstreichen der Frist schickte Müller Milch Briefe mit vorgefertigten Kündigungsschreiben für den MEG Austritt an die MEG Mitglieder um diese zu zerstpalten. Und hauptsächlich darauf war der Protest mit der Beerdigung der Fairness organisiert worden, denn sie zielt darauf ab, die Bauernorganisation zu sprengen. Ein einzelner Landwirt wäre einer Großmolkerei ja völlig ausgeliefert, was ja nachvollziehbar sein wird. (auch für Nichtlandwirte)
Wenn man heut die Nachrichten hört, so wird betont, dass auch trotz der diese Woche gesunkenen Milchpreise in den Regalen die Preise wieder bald steigen werden, da eben die Produktionskosten und die Nachfrage immer noch steigen, also macht ein kurzfristiger Vertrag für die Bauern auch Sinn.
Nur noch ein Rechenbeispiel: Müllermilch wollte bei keiner Einigung mit den MEGs nach deren Vorgaben, den Milchpreis um ca. 10 Cent absenken. Die rausgeworfenen Milcherzeuger erzeugen 50 Mio kg Milch. Die Folge ist, dass Müller so auf einen Streich 5 Mio € mehr in seiner Kasse hätte. Und das hat was mit Fair zu tun?
Hab noch kurz auf der Bauernverbandseite nachgeschlagen und hier ist der Originaltext für die Demo Aktion vor Müller Milch:
“Hintergrund ist, dass die Molkerei Müller eine Eskalation der Auseinandersetzung mit den Milcherzeugergemeinschaften (MEG) Augsburg-West, Augsburg-Süd und Nordschwaben provoziert hat.
Diese begann mit dem Angebot eines Milchkaufvertrages der Molkerei Müller vom 28.02.2008 gegenüber dem Vorsitzenden der MEG Augsburg-West, Herrn Reinhold Mayer. Demnach wurden zwei Vertragsvarianten (mehrjähriger Vertrag bzw. monatliche Auszahlung, die sich am Spotmarkt orientiert) angeboten. Nicht zuletzt wurde von Seiten der Molkerei ein Ultimatum bis zum 29.02.2008, 16.00 Uhr, vorgegeben. Per Bote der Molkerei wurde das Ultimatum auf 22.00 Uhr des gleichen Tages verlängert. Auf diese Ultimaten haben die MEG´s nicht reagiert.
Es folgte am 12.03.2008 ein Schreiben der Molkerei Müller an einzelne MEG Mitglieder, dass die Molkerei davon ausgehe, seit 01.03.2008 die vertragslose Milch für rund 30 Ct/kg zu beziehen. Aufgeführt wurde in diesem Schreiben, dass bei Abschluss des mehrjährigen Vertrages im März ein Milchpreis von 41 Ct/kg bezahlt werden würde.
Es kam noch dicker: mit Datum 18.03.2008 folgte ein Schreiben an einzelne MEG Mitglieder mit dem Angebot von Einzelmilchkaufverträgen mit der Molkerei Müller und einem vorgefertigten Kündigungsschreiben bei der Milcherzeugergemeinschaft! Im oben genannten Schriftwechsel gab es kein Angebot zu Gesprächen. Es gab auch keine Reaktion auf das von den Vorsitzenden der MEG´s am 20.03.2008 gerichtete Fax an die Molkerei Müller. Die oben geschilderte Art des erpresserischen Umgangs mit unverschämten Preisdrohungen gegenüber den MEG´s hat das Maß des Hinnehmbaren weit überschritten.
Vor diesem Hintergrund führt der BBV am 31.03.2008 eine Großdemonstration am Standort der Molkerei Müller in Aretsried durch.”
So genug geschrieben. Ich hoffe ich konnte sachlich informieren von Seiten der Landwirte.





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