Das so genannte Kindeswohl ist derzeit ein populärer Begriff. Familientragödien überall in der Republik, tote oder halbtote Kinder, vollmundige Poklitiker, kleinlaute Jugendwächter. Wie so etwas entstehen kann, habe ich jetzt erlebt. Es ist eine lange Geschichte,von der ich hier einen Teil erzähle. Es geht um einen Hamburger Arzt , der fahrlässig wegschaute.
Ein Vater hatte seine zwei Kinder übers Wochenende, die Scheidung läuft, die Mutter hat das Aufenthaltsbestimmungsrecht, hart ist der Streit, schrecklich die Vorwürfe des Vaters, der nicht verstehen will oder kann, dass eine Frau nicht bei jemandem bleiben will, der permanent übellaunig und von Erziehungsidealen des 19. Jahrhunderts zerfressen ist. Kostprobe gefällig? “Wenn ihr die Kerne in den Mandarinen esst, sterbt ihr” oder “Wenn ihr auf dem Klo zu feste drückt, fallt ihr tot von der Schüssel”. Er kann es nicht verwinden und schämt sich auch nicht, die Kinder immer wieder zu instrumentalisieren (“Die Mama hat Euch nicht mehr lieb”). Entscheidungen gegen ihn sind ein “Justizirrtum”, das Jugendamt vertritt den “Scheiß-Rechtsstaat” und so weiter.
Dieser Vater hatte seine Kinder übers Wochenende. Und als das Wochenende vorbei war, gab er sie nicht zurück. Einfach so. Und versteckte sich. Denn bereits am Sonntag Abend zeigte die Mutter ihn an, fuhr in die Stadt, in der er wohnte. Eine lange Suche begann.
Am Montag war Schule. Eigentlich. Und nun kommt Doktor P. ins Spiel. Zu dem geht der Vater, er kennt ihn von früher. Dr. P. ist übrigens Politiker, aber daher kennt ihn der Vater nicht. Er kommt also zu dem famosen Doktor P., ohne Ausweise der Kinder, ohne Versichertenkarte, die Fahndung läuft längst. Die Kinder sagen Doktor P., sagt Doktor P., dass sie nicht in die Schule gehen wollen. Der famose Doktor P. fragt nicht nach, warum auch. Er schreibt die Kinder krank und befreit sie von der Schule. Faszinierend, nicht wahr? Die Ärztekammer bekommt bald Post. Auch von der Schule. Wegen der Sorgfalt und dem Kindeswohl.





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