Der Tipp kam von Tim Ferriss und seinem wunderbaren Werk „Die 4-Stunden-Woche”, das ich in der aktuellen Euphorie der Lektüre gleich nach der Bibel als Buchtipp Nummer zwei preisen möchte. Er regte nämlich an, endlich aufzuhören, sich mit nutzlosen Informationen zumüllen zu lassen. Und das ging so:
- Keine Fernsehnachrichten mehr: Das fiel mir leicht, denn ich sehe ohnehin nur sehr wenig fern. Die häufigsten Kontaktflächen zu den Anchor people unseres Landes gab es nun rund um die Fußball-Europameisterschaft. Einmal habe ich es nicht geschafft, rechtzeitig zu flüchten oder umzuschalten. Und da hörte ich als Top-Meldung in den Tagesthemen, dass sich Merkel und Sarkozy irgendwo in einem Restaurant moder ähnlich getroffen und nicht Fußball geschaut, sondern sich über irgendwas unterhalten hätten. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass TV-Nachrichten überflüssig sind – da war er.
- Keine Radio-Nachrichten mehr: Schon schwerer, denn bisher habe ich im Auto die (immer kleiner werdenden) Info-Häppchen zur vollen Stunde geschätzt. Also immer schön die neue Madonna-CD (großes Tennis!) aufgedreht oder abgeschaltet. Vermisst habe ich bis heute nichts. Irgendwer trifft irgendwen (People), erschießt irgendwen (Krisen), verleumdet irgendwen (Politik) oder schlägt irgendwen (Kriminalität, Sport).
- Kein Spiegel.de mehr: Das war nicht einfach im doppelten Sinne. Denn Spiegel.de ist längst zu meiner primären Informationsquell geworden – zumindest für den oberflächlichen Wissensdurst. Entsprechend routiniert ist mein Klick auf die Seite, schnell gescannt, was los ist, wieder mal auf einestages.de gelandet und das Gefühl, schlauer zu sein. Manchmal merkte ich erst nach so einem Scan, dass ich mich nicht an die eigene Diät gehalten hatte. Aber ich blieb ohnehin, womöglich geprägt von eben dieser Diät, ohnehin bei zeitlosen und schön erzählten Themen hängen. Also im Ergebnis unkritisch.
- Keine Zeitung: Nein, Timothy, auch wenn das Buch mehr als übersetz, nämlich hervorragend auf deutsche Verhältnisse übertragen ist (Christoph Bausum sei Dank dafür!), die deutsche Zeitungslandschaft mit ihrer Regionalität (über 200 Titel) ist einmalig, der Blick durch das Blatt am Frühstückstisch tief verwurzelte Volkstradition – und mir lieb und teuer. Die überregionalen Politik-Seiten lese ich eh so gut wie nie, allenfalls einen schlauen Kommentar, Wirtschaft ein bisschen, Sport immer und dann intensiv die Lokalseiten: Das direkte Umfeld in zwei konkurrierenden Blättern dargestellt ist ein hohes Kulturgut, auf das ich nicht verzichten möchte.
- Kein Twitter mehr lesen: Als relativer Frisch-Twitterer fiel das schwer. Auch, weil die kleinen Häppchen ja permanent via Twitterfox in den Browser geflogen kommen. Andererseits: Eine Woche lang nicht zu wissen, wie es im Taxi von @roquane ausieht, wann @rednix pinkeln geht und in welcher Verfassung sich K1-K5 von @writingwoman befinden, hat mir nicht nachhaltig geschadet. Sicher sind mir einige spannende Infos durchgerutscht. Aber ein schlechterer Mensch bin ich auch davon nicht geworden.
Fazit: So eine Informationsdiät ist eine feine Sache, sie entschlackt ungemein und öffnet den Blick aufs Wesentliche. Kann ich nur empfehlen! Ich bin übrigens längst nicht mehr auf dem Vordiät-Niveau und höre mir vieles einfach nicht an. Das fühlt sich gut an.





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