Man kann sich kaum vorstellen, wie schnell sich die Zusammensetzung der Besuchergruppen auf einer Messe von einem Tag zum anderen verändert. Während gestern noch überwiegend an Inhalten interessiertes Publikum über die Messe schlenderte, sind es heute, am Samstag, fast nur noch uninteressierte Endkunden.
Eigentlich gibt es am Tagesanfang und gegen Ende des Tages kleinere Gruppen von sogenannten Grabbern, der Spezies, die mit geschultem Blick selbst die am besten versteckten Werbemitteldepots aufspürt und gnadenlos jede unbeobachtete Situation ausnutzt um an heiß begehrte Kugelschreiber, Feuerzeuge und Schlüsselbänder zu kommen. Das Wochenende ist wohl die Zeit der Grabber, denn interessiertes (Fach-)Publikum ist so rar wie Polonium-Vorkommen. Wenn man sich diese besondere Besucherspezies genauer ansieht stellt man sehr schnell ein immer gleiches Verhaltensmuster fest. Meist treten Vertreter dieser Spezies in Paaren oder zu dritt auf. Sie schlendern scheinbar gelangweilt durch die Gänge, jedoch mit einem immer wachen Blick der, einem Raubtier gleich. Ist ein Präsentierender in ein Gespräch verwickelt und damit angreifbar, wird unauffällig der Angriff gestartet. Im Tiefflug geht es dabei im Rücken des Präsentierenden unter die Präsentationsfläche. Mit einem gekonnten, stählernem Griff werden möglichst viele Werbeträger erhascht und ebenso schnell in einer Tasche – einem scheinbar schwarzen Loch – verstaut. Dieses Jahr, so habe ich den Eindruck, wurden die Taschen einiger Mobilfunkanbieter extra für die Spezies der Grabber optimiert – immer wieder sieht man hier Taschen mit Beinen durch den Gang schlendern, die allenfalls für die an die CeBIT anschliessende Frühjahrsputzzeit zum Abtransport von Gartenresten geeignet erscheinen, jedoch aus unverwüstbaren Materialien bestehen und damit wahscheinlich auch in der Post-Mobilfunk-Ära an die alten Relikte einer längst vergangenen Epoche erinnern…





Ich habs auch gemerkt, aber ist doch klar, am Wochenende kommt halt das nurmale Arbeiterpublikum. Das ist überall so. Aber ansonsten fand ichs recht interessant!
Beste Grüße David
Diese im Fachjargon auch nach dem zum Fortschleppen der Messebeute herumgetragenen Leinenbeutel auch liebevoll “Beutelratte” genannte Spezies ist ein integraler Bestandteil einer jeden Messestandplanung auf den (Fach- und) Besuchermessen. Meist werden sie gekonnt schon im Außenbereich des Standes abgefangen und mit billigen Streuartikeln bei Laune gehalten um auch weiterhin den Innenteil des Standes den höherrangigen Leads vorzubehalten. Man darf allerdings niemals vergessen, daß es gerade auch die Beutelratten sind die das Produkt am Ende kaufen oder ihm zu einem Image in der Öffentlichkeit verhelfen das einen Kauf beinflusst. Gönnen wir also auch diesen possierlichen Sammlern ihren Lebensraum, damit die Jäger auch in Zukunft noch nachwachsende Beute haben.