Archiv für die 'Gar nicht so Böse' Kategorie

Zwei beste Platten der Welt

Es gibt für mich zwei beste Platten der Welt. Für die Jüngeren: “Platte” steht hier für “Tonträger”. Das sind Miles Davis “Kind of Blue” in der Traumbesetzung mit John Coltrane (ts), Cannonball Adderley (as), Bill Evans (p), Paul Chambers (bs) und Jimmy Cobb (dr) und ein sehr viel unbekannteres Werk, nämlich “East meets East” von Nigel Kennedy, zusammen mit dem polnischen Klezmer-Trio Kroke (Krakau). Zwei klanggewordene Träume, erfüllte Sehnsüchte, Musik des Himmels. Ich bin sehr froh, beide live erlebt zu haben. Und “East meets East” habe ich jetzt sogar mit Widmung!

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Der neue Sloterdijk

Peter Sloterdijk ist ein schlauer Kopf. Sicher einer der schlaueren, die dieses Land derzeit bevölkern. Gestern hatte der Philosoph einen Auftritt in Sat1, genauer gesagt in dieser kleinen Nische der Pflichtausstrahlungen, die die Mediengesetzgebung den Privaten aufgebürdet hat. Sloterdijk war gut, sein Interviewer eine Qual. Nie war dieser im Bild und als sein Name mutmaßlich gezeigt wurde, war ich schon entschlafen. Und trotzdem: Sloterdijks “Zorn und Zeit” klingt sehr lesenwert, den Zorn als europäisches Urwort und Triebfeder vielen Handelns, Hass als seine konservierte Form. Ich habe es soeben bestellt. Zusammen mit der “Fastnachtsbeichte” von Carl Zuckmayer. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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Kleine Geschichte vom Leben

Auf die Gefahr hin, für einen Esoteriker gehalten zu werden: Ich habe gerade per E-Mail eine diese Powerpoint-Geschichten bekommen – hat mir gut gefallen: Mein Freund öffnete eine Schublade der Kommode seiner Frau und holte daraus ein kleines Paket hervor, das in Seide eingewickelt war: “Dies ist nicht einfach ein Paket, darin ist feine Wäsche.” Er betrachtete die Seide und die Spitze. “Dies habe ich ihr vor acht oder neun Jahren in New York gekauft, aber sie hat es nie getragen. Sie wollte es aufbewahren, für eine besondere Gelegenheit. Nun ja, ich glaube jetzt ist der Moment gekommen.

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Tropenregen im ICE

Frau am ZugSie platzte in das Abteil mit der explodierenden Wucht und Schönheit eines Tropenregens. “Guten Morgen!” krähte sie auf dem schmalen Grat zwischen “glockenhell” und “grell”. Der gemütliche Bayer an der Tür schreckte auf. Wäre es 19 Uhr und er wieder Zuhause, ihm wäre die Bierflasche auf den PVC-Boden gefallen. So ascht er sich nur ein wenig auf die Hose. Sie setzt sich gegenüber. Kerzengerade, eine Wollmütze hält die dunklen Haare, doch nichts hält die flinken Augen.

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