“Blau macht erfinderisch, Rot schärft den Blick für Details”, heißt es im neuen Newsletter für Kairos-Unternehmer. Gabriela Linne zitiert einen Artikel, wonach Ravi Mehta und Rui Zhu von der University of British Columbia in Vancouver (Kanada) feststellten, dass Blau die Kreativität fördert, Rot dagegen den Blick für Details schärft. Fazit dessen:
“Jedesmal, wenn kreatives Denken und Assoziationsfreude gefragt waren, half Blau den Probanden auf die Sprünge; Rot ließ sie dagegen genauer hinsehen und sich besser erinnern. Die Teilnehmer waren sich all dessen nicht bewusst, berichten die Forscher.”
Das Tollste ist, dass mein Schreibtisch tiefblau ist – also die Arbeitsplatte. Doch meistens sehe ich ihn nicht. Wenn ich aber mal wieder richtig schön aufgeräumt habe – so wie gestern – bin ich kreativer als sonst. Zumindest am Schreibtisch. Am kreativsten bin ich unter der Dusche, aber das tut hier nichts zur Sache.
Ungerufen und doch unabwendbar springen da Heerscharen von Gerne-Gurus herbei, die aus der Ordnung heraus auch geordnetere Gedanken versprechen. Und schon spielen wir Coaching-Quartett:
“Mein Schreibtisch ist blau und die Frau Linne sagt, Inder sagen, das ist gut für die Kreativität – erster gesagt sticht.”
Enormem Schweigen folgt gespielte und viel zu laute Heiterkeit. Das saß. Doch dann das:
“Aber wenn der Schreibtisch nicht aufgeräumt ist, ist er trotzdem blau und dir fällt praktisch nichts ein – ich sage, die Inder sind oberflächlich und haben womöglich auch andere Farben – erster gesagt sticht doppelplopp.”
Doppelplopp. Das würde schwer werden jetzt. Nur einer kann jetzt noch helfen.
“Wenn ich jetzt gestünde, dass mir nichts mehr einfällt, gäbe es dann eine Spektralverschiebung auf meinem Schreibtisch zu beklagen, da er ja offensichtlich immer noch blau ist oder müssten wir psychotherapeuthisch ran: Was ist denn für dich “blau” und wie fühlt sich das an? – erster gesagt Ben Gurion.”
Ben Gurion ist immer noch der Zwölfzylinder unter den Stichwörtern. Nur langsam legt sich der Staub, das Getöse ist längst verstummt.
“Ich mache jetzt erst mal eine Schreibtischaufstellung und schau mir das aus der Fremdperspektive an. Auch bei Farben kommen da ganz andere Sichtweisen zu Tage, die man vorher gar nicht für möglich gehalten hätte. Irgendwo müssen die Schläuche für den Wein ja herkommen – so blau so gut. Erster gesagt Nanorakete.”
Ein verzweifelter Versuch. Was ist schon eine Nanorakete gegen Ben Gurion? Aber das Argument war nicht ganz schlecht…
“Ich hatte heute auf dem Weg zum Parkplatz einen Einfall. Da stand auch ein blauer Passat am Straßenrand und auch die Gore-Tex-Jacke des Oberstudienrats war taubenblau. Jetzt komms Du – erster gesagt und Gott vertraut.”
Er wankt bedenklich. Mit Gottvertrauen kann man jedem Coach, Guru, Mentor oder Lehrer ins Knie schießen. Fast so stark wie Ben Gurion, aber kulturgeschichtlich sinniger.
“Der Coachingschlumpf fängt an. Ich gebe auf. Pfeif auf Ben Gurion.”





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