Robert Basic von Basic Thinking, einem der führenden Blogs dieses Landes, wirft in ungewöhnlich essayistischem Stil die Frage auf, was passiert, wenn ein Blog richtig groß wird. Es geht ihm um Verantwortung für die Macht, die man ab einer gewissen Reichweite zwangsweise erreicht. Er fordert Neutralität. ich widerspreche ihm und fordere Ausgewogenheit. Dabei geht Robert mit den Medien, die er mangels D-Großblogger heranzieht, hart ins Gericht:
In meiner Welt steigt die Verantwortung, wenn Du zum Wortführer wirst. So eben die BILD, leider Gottes. Und es ist absolut verantwortunglos, dass man polarisiert. (…) Das ist auch der Grund, warum ich den Medien einen Vorwurf mache, dass sie zu Gunsten der Umsatzzahlen ihre immens wichtige Rolle immer mehr vergessen, die ihnen obliegt. Eine neutrale Berichterstattung erschöpft sich nicht darin, dass man Dinge verkürzt darstellt. So ist die BILD ein Paradebeispiel, wie man es falsch macht. Auch die FAZ oder einen Spiegel möchte ich davon nicht ausnehmen.
Ich finde, er irrt. Ja, die Verantwortung steigt. Ich habe mal Michael Dell bei einer kleinen Presserunde erlebt. Er sprach recht beiläufig davon, dass sein Unternehmen Microsoft weiter unterstützen werde (es war der Beginn der großen Prozesse gegen Redmond). Ein Agenturkollege griff das noch nachmittags auf, binnen weniger Stunden hatte sich der Unternehmenswert von Dell um etliche hundert Millionen bewegt.
Aber: Medien (und dazu zähle ich dem DJV zum Trotz auch (die guten Blogs)) sind so genannte Tendenzbetriebe. Sie haben das Recht und die Aufgabe, tendenziös zu sein. Es gibt im Neudeutschen die wachsende Tendenz, “Neutralität” einzufordern. Das klingt auch bei Robert Basic durch.
Das ist imho schädlich und völlig verfehlt. Warum sollte ein großes Blog kein Tendenzbetrieb sein sollen? Wer mag einen Blogger (oder Redakteur oder Verleger) zwingen, eine Meinung zu vertreten, die nicht seine ist oder seine Meinung nicht zu vertreten?
Ich sage: “Neutralität” ist übel, denn “neutral” ist fleisch- und geschlechtslos, feige, bezieht keine Position. Was ich dagegen vehement einfordere: “Ausgewogenheit“! Denn Ausgewogenheit entsteht aus der Pluralität der Meinungen, setzt also klare Meinungen voraus. Aus der Summe der Tendenzbetriebe entsteht Ausgewogenheit. Deswegen ist es ja gut, dass es Monitor aus Köln und Report aus München gibt. Das gilt ganz genauso auch für Blogs. Finde ich.






“Neutralität” klingt hübsch, wortklingelt im Gehörgang allerliebst und ist inhaltlich weichgespült. Insofern volle Zustimmung, lieber Fast-Nachbar! Herzliche Grüße …